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Solargesetz 2021:

Worauf Hausbesitzer achten müssen, wenn die Solarpflicht kommt

Berlin, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und nun auch Bremen und Bayern – immer mehr Länder verabschieden eine Solarpflicht. Sie verpflichtet Immobilienbesitzer zum Einbau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. Aber für wen gelten die neuen Solargesetze und wann treten Sie in Kraft? Wir erklären, ob Sie von der Solarpflicht betroffen sind und warum das Wohnen nicht für jeden teurer wird.

Solargesetz: Warum eine Solarpflicht geplant wird

Im Zuge des Klimawandels hat sich Deutschland zu den UN-Klimazielen verpflichtet. Bis 2030 soll 65 % des Energieverbrauchs mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Bis 2050 will Deutschland dann vollständig klimaneutral sein. Die Solarenergie und andere erneuerbare Energien spielen dabei eine wesentliche Rolle. Mit der Solarpflicht setzen nun immer mehr Bundesländer auf Zwang, um Immobilienbesitzer zum Einbau der Anlagen zu verpflichten. Die Umsetzung der Solarpflicht unterscheidet sich von Land zu Land. Feststeht: Fast überall, wo es konkrete Planungen gibt, sind auch private Eigenheimbesitzer betroffen.

Solargesetz in Deutschland: Das ist der Stand 2021

Seit 2020 verabschieden immer mehr Bundesländer Gesetze und Verordnungen, die zum Einbau von Photovoltaikanlagen verpflichten. Die Ausgestaltung unterscheidet sich dabei zum Teil stark. Wir erklären, in welchem Bundesland welche Pflichten gelten und was das für Hausbesitzer bedeutet.

Hamburg: Solargesetz stufenweise ab 2023 / 2025

Am 22.12.2020 beschloss der Hamburger Senat die Solardachpflicht für alle Gebäude im Rahmen der ersten Rechtsverordnung zum Klimaschutzgesetz.

Diese Verordnung verpflichtet alle Neubauer ab 2023 Photovoltaikanlagen auf den Dächern zu installieren.  Besitzen Sie bereits eine Immobilie, müssen Sie ab 2025 eine Solaranlage einbauen, sobald Sie das Dach erneuern lassen. Eine Mindestgröße sieht die Verordnung nicht vor.

Für die Anlage gilt allerdings ein Armotisationszeitraum von maximal 20 Jahren. Das heißt: Würde sich eine neue Anlage nicht innerhalb von 20 Jahren amortisieren, sind Sie von der Solarpflicht entbunden. Ausnahmen gelten auch dort, wo eine Installation technisch nicht umsetzbar ist.

 

Bremen: Solarpflicht noch ohne Termin

Aus Bremen und dem Bremerhaven ”Solar Cities“ – das beschloss die Bürgerschaft des kleinsten Bundeslandes bereits im Juni 2020. Bis 2030 sollen die Dächer Bremen mit Solaranlagen bestückt sein – zunächst gilt das für Neubauten, aber auch eine Solarpflicht bei Dacherneuerungen wie in Hamburg plant der rot-rot-grüne Senat.

Bayern: Solarpflicht für Wohnimmobilien ab 2022

In Bayern gilt seit Anfang 2021 die Solarpflicht – bisher allerdings nur für Neubauten im gewerblichen Bereich. Hausbesitzer müssen erst ab 2022 eine Photovoltaikanlage installieren, wenn Sie ein neues Haus bauen oder das Dach ihres bestehenden Hauses sanieren.

Schleswig-Holstein: Solarpflicht vorerst nur für Gewerbeimmobilien

Einen anderen Weg geht Schleswig-Holstein. Das norddeutsche Bundesland verzichtet auf eine Solarpflicht für private Wohngebäude. Ab Herbst tritt hier ein Gesetz in Kraft, dass eine Solarpflicht für Parkplätze ab 100 Stellplätzen, Landesliegenschaften und bei gewerblichen Neubauten und Renovierungen vorsieht. Ob eine Solarpflicht für Private folgt, ist unklar. Vom Umweltminister Schleswig-Holsteins gibt es dazu bisher keine konkreten Pläne.

Berlin: Solarpflicht ab 2023

Auch in Berlin kommt die Solarpflicht. Im Masterplan Solarcity ist festgeschrieben, alle öffentlichen Gebäude mit PV-Anlagen auszustatten. Das entsprechende Solargesetz Berlin wurde am 17. Juni 2021 beschlossen. Die Solarpflicht tritt damit am 01.01.2023 für alle Neubauten und grundlegenden Dachsanierungen in Kraft. Dann muss mindestens 30 % des Daches mit einer Solaranlage ausgestattet werden. Ausnahmen sollten für Gebäude mit weniger als 50 Quadratmetern Nutzfläche gelten. Auch bei technischen Schwierigkeiten ist eine Entbindung von der Solarpflicht vorgesehen.

Baden-Württemberg: Solargesetz ab Mai 2022

Ab dem 01.05.2022 müssen Menschen, die ein Eigenheim bauen, eine Solaranlage installieren lassen. Die Solarpflicht für Dachsanierungen bei bestehenden Gebäuden folgt am 01.01.2023. Nach der Solarpflicht für Gewerbeimmobilien geht die Landesregierung damit einen großen Schritt in Richtung Klimaneutralität – ein Ziel, dass Baden-Württemberg bereits 5 Jahre vor Deutschland erreichen will.

Was bedeutet die Solarpflicht für Hausbesitzer?

Viele Hausbesitzer stehen der Solarpflicht skeptisch gegenüber: Sie sehen in der Installation einer PV-Anlage in erster Linie ein Kostenfaktor. In dieser Sichtweise gehen zwei wichtige Aspekte unter.

Einsparungen bei der Stromrechnung:

Jede Kilowattstunde Strom, die Ihre PV-Anlage produziert, müssen Sie nicht teuer von einem Stromanbieter beziehen. Abhängig von Region und der Haushaltsgröße deckt eine PV-Anlage in der Regel mehr als den vollständigen Stromverbrauch.

 

Einspeisevergütung:

Sie entscheiden, in welchem Verhältnis der produzierte Strom zum Eigenverbrauch genutzt und dem Netz zugeführt wird. Lange lohnte sich der Eigenverbrauch kaum. Das ändert sich – unter anderem wegen steigender Strompreise. Für jede eingespeiste kWh erhalten Sie zur Zeit 9,03 Cent.

 

Die PV-Anlage ist also kein reiner Kostenfaktor, sondern ein Investment, das sich mit der Nutzung amortisiert.

Beispiel: Die PV-Anlage lohnt sich

Eine dreiköpfige Familie wohnt in einem Einfamilienhaus am Stadtrand von München. Wegen der Solarpflicht, müssen Sie eine PV-Anlage installieren:

1.

Ihr Stromverbrauch beträgt 4600 kWh / Jahr. Die Stromrechnung liegt bei 1400 € im Jahr.

2.

Die PV-Anlage mit 6 kWp produziert ca. 5000 kWh im Jahr und kostet inklusive des Einbaus 8100 €.

3.

Hinzu kommen 150 € / Jahr für Wartungen und Versicherungen.

4.

30 % des produzierten Stroms nutzt die Familie für den Eigenverbrauch- Die Stromrechnung beträgt so nur noch 945 € / Jahr – die Ersparnis liegt bei 455 € / Jahr.

5.

 70% des Stroms, also 3500 kWh gehen in das Stromnetz. Die Einspeisevergütung beträgt 315 €.

Die jährliche Ersparnis der Familie liegt bei 620 € / Jahr.

Die Amortisationszeit für die PV-Anlage liegt somit bei 13 Jahren.

Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren erzielt die PV-Anlage so eine Rendite von 7,66 % P. a. Die PV-Anlage kostet Sie langfristig also kein Geld, sondern bringt Ihnen Geld ein.

Fazit: Solarpflicht – wird das Wohnen teurer?

Die Solarpflicht wird kommen. In den meisten Bundesländern ist Sie bereits beschlossen oder in konkreter Planung. Was sich zunächst nach einer massiven Kostenbelastung anhört, erweist sich bei näherer Betrachtung eher als Investment im Interesse der Umwelt.

Für Hausbesitzer amortisiert sich die PV-Anlage in der Regel nach 10 – 15 Jahren. Anschließend erwirtschaftet die Anlage jedes Jahr Gewinn.

 

Zum Problem wird die Solarpflicht also nur für Hausbesitzer, die nicht genug Liquidität für den Einbau einer Solaranlage besitzen und sich möglicherweise Geld von einer Bank leihen müssen.  Für Mieter ändert sich zunächst nichts. Auch wenn die Immobilienverbände vor steigenden Kosten warnen – Vermieter können weder Kauf noch Installation als Nebenkosten an den Mieter abgeben. Denkbar ist eine Zunahme sogenannter Mietstrommodelle, bei denen Mieter den Strom aus der PV-Anlage vom Vermieter beziehen und bezahlen.

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